Beyond Tellerrand Düsseldorf 2016

Am 9. und 10.5. fand die Beyond Tellerrand 2016 in Düsseldorf statt. Ein verspäteter Bericht über vier ziemlich gute Talks, super leckeres Essen und liebe Menschen.

Nein, ich brauchte kein Visum, um nach Düsseldorf zu fahren. War tatsächlich ganz einfach da hin zu kommen, in die “verbotene Stadt”, aber ob ein bönnsches/kölsches Herz das unbedingt möchte, sei mal dahingestellt…
Auf nach Düsseldorf also.

Nachdem ich letztes Jahr im November in Berlin war und positiv berichtete, hatten wir die Tickets für Düsseldorf schon gekauft, als noch so gut wie gar keine Speaker feststanden… Ich kannte bisher keinen der Namen der Speaker, die dann announced wurden, abgesehen von Val Head und Jeremy Keith, den ich sehr gerne zu meinen Freunden zähle :).

Die Location war super erreichbar und davor gab es viel Platz, um die Sonne zu genießen. In der Location selbst gab es mehrere Bars und man konnte sogar MarioKart spielen, was Stefan und ich uns nicht haben nehmen lassen. Dome und meinen alter Ausbilder Søren hat man natürlich am Kicker gefunden.

13 Talks auf zwei Tage verteilt ist angenehm. Da hat man abends noch genug Energie, um nach Hause zu fahren oder sich für den Tag mit einem, zwei oder mehr Bierchen zu belohnen. Gerne auch mit Jeremy Keith, Christian Heilmann, der diesmal für Microsoft da war, und ein paar Mitarbeitern der Konferenz.

Manche Talks waren ziemlich js-lastig, weshalb ich (mit meinen Anfänger jQuery skills) nichts verstand, andere habe ich leider grundsätzlich nicht verstanden. Manchmal sitzt man in einem Talk und weiß gar nicht so recht, was man denn jetzt daraus mitnehmen soll. Sachen gibts…

Nach jedem Talk hat der grandiose Baldower wieder seine Live-Mixes rausgehauen. In Berlin 2015 habe ich ihn das erste Mal gesehen und war fasziniert von diesem Mann. Ihn diesmal wieder zu sehen und zu hören war ein Fest!

 

Vier Talks habe ich mir rausgepickt.

Vier richtig gute, wie ich finde. Ich hatte mir vorgenommen, die Talks, die ich gut fand, als Poster zu designen. Ich war mir anfangs unsicher, ob ich das auch hinbekomme, da ich nie Poster oder typografische Gestaltung gemacht hatte. Resilience war das Erste. Als ich es auf Twitter veröffentlichte, fand Jeremy Keith es so schön, dass er es retweetete. Dadurch ist mein Twitter binnen kürzester Zeit buchstäblich explodiert! Fast 30.000 Leute haben dieses Poster gesehen und ich habe eine Menge positives Feedback bekommen, auch von einigen guten Speakern, die man so kennt. Von da an war ich mir sicher, dass die Idee mit den Postern eine ziemlich gute war :)

 

“Time + Creativity”
by Christopher Murphy @fehler

Christopher Murphy, der Kopf hinter tinybooks.com, ist Author, Designer und Lehrer für Ineraction Design.
Sein Talk “Time + Creativity” ging um Zeit. Die Zeit zwischen dem Briefing und wann wir tatsächlich anfangen zu arbeiten. Die Zeit, die Designer rumdoodlen zum Ideen entwickeln und Webdevs unerwartete Bugs fixen. Zeit, die auf erstem Blick, verschwendet wird also. Die typische Fuckoff Phase. Jeder kennt die Memes dazu.

Was Christoper Murphy in seinem Talk sagte war: Die Verzögerung, die Fuckoff Phase, ist gut! Gut, sofern man die Zeit effizient nutzt. Effizientes Zeitverschwenden also, oder: Yak Shaving. In dieser Zeit sollte man seine Fähigkeiten erweitern, sich von dem was kommt leiten lassen und draus lernen. Ideen, die man schon hatte neu kombinieren, denn Ideen sind nichts weiter als eine neue Kombination von alten Elementen. Das sagte schon Vilfredo Pareto. Magic ist das Zauberwort, wenn Dinge unerwartet aufeinandertreffen.

 

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“Advice from a young designer to younger designers”
by Lil Chen @lil_chen

Lil Chen ist noch recht jung, Interaction Designer für ein Youtube Gaming Team und zockt auch selbst Games. Davor war sie Designer für TED.

Ihr Talk “Advice from a young designer to younger designers” war eine Motivationsbombe für junge Menschen, die sich in der Designbranche etablieren wollen. Selbst wenn man schon lange Designer ist, tat es gut, all das noch mal zu hören.

10 Ratschläge umfasste ihr Talk.

  1. 1. Lerne mit nicht-Designern über Design zu reden.
  2. 2. Teile anderen mit, was du kannst.
  3. 3. Benutze deine Stimme, sag was du denkst.
  4. 4. Bestimme deine Zukunft, indem du handelst.
  5. 5. Zeige anderen, wie du arbeitest.
  6. 6. Lege keinen Wert auf Pixelperfektion, 5 grobe Ideen sind besser als eine Perfekte.
  7. 7. Verstehe die Prozesse deiner Kollegen.
  8. 8. Sei ein Advokat für deine Designs.
  9. 9. Arbeite an persönlichen Projekten.
  10. 10. Nehme Kritik an. Aber vertrete auch deinen Standpunkt.

 

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“Designing meaningful animation”
by Val Head @vlh

Val Head ist Designer und Web-Animation Berater, macht Motion Design Workshops und schrieb u.a. The Pocket Guide to CSS Animations.

Ihr Talk “Designing meaningful animation” beinhaltete drei Prinzipien: Timing & Spacing, Follow Through und Secondary Actions. Warum eine Animation implementieren? Wie animiere ich? Wie animiere ich mehrere Elemente gleichzeitig? Wie verläuft eine Animation? Was passiert während oder nach der Animation?

Animationen sollten subtil sein und den Gesetzen der Physik folgen. Sie ermöglichen Emotionen und Stimmungen. Mehrere Elemente können gleichzeitig animiert werden, sollten aber insgesamt stimmig sein. Dabei ist drauf zu achten, dass Elemente, die unterschiedlich starten, auch unterschiedlich stoppen. Animierte Elemente dürfen die Zielposition vor Ende der Animation überschießen.
Alles, was während oder nach der primären Animation passiert, nennt man Secondary Action. Die Secondary Action bestärkt die ursprüngliche Animation. Bestes Beispiel dafür ist das Like-Heart von Twitter.

Val hat uns auch einige Pro-Tips gegeben:

  • Cubic-Bezier macht eine Animation zwar zahlenmäßig unübersichtlicher, aber das Endergebnis ist schöner.
  • Muss man eine Animation inspizieren, kann sie in den Browser Dev-Tools verlangsamt und verändert werden.
  • Der ultimative Pro-Tip: Animationen austanzen! Ganz recht, austanzen. Muss man jemandem eine Animation erklären, hilft es sehr, wenn man die Fähigkeiten der Gestik einsetzt. Beikomplizierteren Animationen kann es zwar schnell zu einem Full-Body-Workout werden, aber wenn Val Head das auf der Bühne schafft, schaffen wir das auch im Office ;).

 

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“Resilience”
by Jeremy Keith @adactio

Jeremy Keith, mein Lieblings-Talk-Mensch, ist Web Developer bei clearleft in Brighton, schrieb u.a. HTML5 For Web Designers, ist Blogger und spielt in einer Band.

Sein Talk “Resilience” war, wie immer eigentlich, ein großartiger Talk. Resilience, die Ausfallsicherheit, handelte um die Robustheit von HTML & CSS, die Fragilität von JavaScript und die Art und Weise, wie wir robuste Websites bauen sollten.

Drei Schritte stellte er vor:

  1. 1. Hauptfunktionalität identifizieren. Hierbei gibt es kein “zu leicht” oder “zu schwer”.
  2. 2. Diese Funktionalität mit der simpelsten Technologie verfügbar machen. Kein fancy JavaScript, nur mit HTML & CSS.
  3. 3. Erweitern. Jetzt erst kommt JavaScript. Auch Layout sollte in manchen Fällen als Enhancement angesehen werden.

JavaScript ist fragil und kurzlebig. Oft ändert sich etwas. Oft werden winzige Fehler produziert, die die komplette Website crashen. Ein fehlendes Semikolon zum Beispiel stoppt das Parsing. HTML & CSS wurden über die Jahre erweitert, aber nie verändert. Ein kleiner Fehler im HTML & CSS stoppt das Parsing nicht. Es wird ignoriert. Das mag in bestimmter Sichtweise auch keine gute Idee sein, aber Robustheit betreffend ist diese Herangehensweise besser. Zu häufig werden Elemente auf Webistes mit kompliziertem JavaScript gebaut, wo simples HTML und CSS reichen würde. Wieso einfach, wenn es auch kompliziert geht? Falsch.

Jeremy stellte klar, dass die Bedürfnisse des Users viel höher gestellt sind als Gewohnheiten der Developer. Probleme sind unsere Probleme, nicht die der User! Das ist unser Job als Developer und das dürfen wir nicht vergessen.

Oft stehen wir vor vermeintlichen Problemen und sagen “dass ist nicht machbar”. Es ist machbar. Wir sehen es nur vor lauter komplizierten Technologien nicht mehr, weil es eigentlich ganz einfach ist. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Verdeutlicht wird das gut durch das kleine Pony im Apple Store. Das Web ist das kleine Pony im Apple Store.

Zum Ende sagt er noch: “Leave behind a web that lasts. A web that is persistent.” Ein Web, was überdauert. JavaScript kann sich bald schon wieder ändern und Websites crashen. HTML & CSS wird immer HTML & CSS bleiben. Daher ist es besser, sich auf eine Technologie zu verlassen, bei der man sicher sein kann, dass sie auch Jahre später noch funktionieren wird.

 

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Zwei wunderbare Tage

Ich gehe sehr gerne zu Konferenzen, weil man so viele nette Menschen kennenlernt und einfach Spaß hat, obwohl man lernt und aufpassen und Notizen machen muss. Die meisten Talks (wie die vier die ich vorgestellt habe) sind einfach super gut. Und da tut es ganz und gar nicht weh, dass ich die Talks von Val und Jeremy schon in Oxford auf der Render gesehen hatte.
Ich freue mich immer besonders auf Jeremy und Christian. Zwei sehr liebe und angenehme Menschen, mit denen man sehr gern auf ein Bier absackt und lange, lange quatscht. Ich habe mich auch sehr darüber gefreut, Søren, meinen alten Ausbilder, dort zu treffen.
Die zwei Tage in Düsseldorf waren wunderbar und wenn ich kann bin ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder dabei!

Und sonst?

Essen kann man in Düsseldorf auch. Wer auf japanische Nudelsuppen, oder generell auf japanisches Essen steht, ist in Düsseldorf sehr gut aufgehoben. In Düsseldorf verbirgt sich nämlich mit über 6500 Japanern die einzige Japantown Deutschlands. Dementsprechend gibt es massig japanische Restaurants.
Ein sehr sehr Gutes (wenn nicht sogar das Beste) ist das Takumi 2nd Tonkotsu. Ein absolutes Muss für jeden Suppen-Fan! Ich empfehle die Tonkotsu Ramen, die beste Nudelsuppe, die ich jemals gegessen habe.

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Links

Alle Talks auf Vimeo
https://vimeo.com/channels/beyondtellerrand/

Notes von Talks
http://www.sketchnotesbook.com/blog/2016/5/11/speaking-at-leandus-and-sketching-at-beyond-tellerrand-2016

Author

jessman5™

Jessman5 is an UI/UX Designer & Engineer and Illustrator living in Germany. She's also a Nerd, a Trekkie, a car and hair dye lover.