Willkommen in der Bewerbungshölle
Ich mache gerade eine besorgniserregende Erfahrung:
Du investierst als Designer Zeit in einen ordentlich gestalteten CV, weil man sich als Designer jedes mal neu beweisen muss. Du recherchierst nach Stellen, evaluierst ob es passt, ob du passt, schaust dir das Unternehmen an, schreibst ein individuelles Anschreiben und bewirbst dich. “Vielen Dank für deine Bewerbung”.
Dann kommt das Bewerberportal. Eine KI liest deinen CV ein und zerhackt ihn. Das bekommt man als Bewerber erst mit, wenn man sich dort manuell nach der Bewerbung registriert.
Stationen werden falsch zugeordnet, Inhalte landen an den falschen Stellen, Daten sind falsch, Skills verschwinden oder werden völlig absurd interpretiert. Und nun? Was wird jetzt mehr gewichtet? Deine eingesendete Bewerbung als pdf? Oder das, was da im Portal steht? Natürlich fühlt man sich jetzt unter Druck gesetzt, das alles manuell wieder aufzuräumen und für jede Station sollst du zusätzlich noch gefühlt 100 Tags auswählen. Wieder und wieder. Klicken. Scrollen. Suchen. Auswählen. Speichern.
Am Ende hast du als Bewerber nicht nur bereits einen erheblichen Zeitaufwand in deine Bewerbung, die Jobsuche und die Evaluation der Stelle gesteckt. Du darfst zusätzlich noch das Bewerberportal deines potenziellen Arbeitgebers reparieren.
Schlechteste UX aller Zeiten.
Und genau deshalb hilft auch kein „Schnell bewerben“-Button auf LinkedIn. Denn wenn „Schnell bewerben“ bedeutet, dass ich anschließend eine halbe Stunde damit verbringe, die Fehler eines automatisierten Bewerbungsprozesses zu korrigieren, dann ist das alles—nur nicht schnell.
Gerade Unternehmen, die UX, Digitalisierung oder Produktentwicklung auf ihre Fahnen schreiben, sollten vielleicht gelegentlich ihren eigenen Bewerbungsprozess durch die Augen eines Users betrachten.
Bewerber sind User.